Eine Glasscherbe, ein Maschinenunfall, ein Verkehrsunfall, ein  ungünstiger Sturz oder eine Verletzung bei der Waldarbeit: Lebensbedrohliche Blutungen können jederzeit entstehen. Dann zählt jede Minute, bevor der Rettungsdienst eintrifft.

Ein Tourniquet kann bei einer massiven Blutung an Arm oder Bein entscheidend sein. Es muss verfügbar sein, zur Verletzung passen und wirksam angelegt werden. Wer eines mitführt, sollte den Umgang damit trainieren.

Was ist ein Tourniquet?

Ein Tourniquet, kurz TQ, ist ein Abbindesystem zur Kontrolle lebensbedrohlicher Blutungen an Armen und Beinen. Es übt von außen Druck aus, bis der Blutfluss zur verletzten Stelle unterbrochen wird. Bei gängigen Modellen wird ein Band um die Extremität gelegt und mit einem Knebel gespannt.

Das Ziel ist klar: Die Blutung muss vollständig aufhören. Ein lediglich eng sitzendes Tourniquet ist nicht wirksam. Es überbrückt die Zeit bis zur medizinischen Versorgung, behandelt aber nicht die Verletzung selbst. [1, 4]

Wann sollte ein Tourniquet eingesetzt werden?

Nicht jede blutende Wunde braucht ein Tourniquet. Die S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung empfiehlt bei aktiven Extremitätenblutungen zunächst direkte Kompression, anschließend einen Kompressionsverband möglichst mit einem geeigneten blutstillenden Mittel und danach ein Tourniquet.

Entscheidend ist jedoch: Eine lebensgefährliche Blutung darf nicht unnötig lange weiterlaufen. Kann sie mit anderen Maßnahmen nicht rechtzeitig gestoppt werden, empfiehlt die Leitlinie ausdrücklich den Einsatz eines Tourniquets. Beide Empfehlungen tragen den Empfehlungsgrad A. [1]

In der Praxis muss deshalb kontrolliert werden, ob die Maßnahme wirkt. Blutet eine Wunde trotz Druckverband weiter, darf dieser Zustand nicht einfach bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes hingenommen werden.

Warum Blutungskontrolle in die Erste Hilfe gehört

Bei schweren Gefäßverletzungen können wenige Minuten über Leben und Tod entscheiden. Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin, kurz DGG, setzt sich deshalb dafür ein, Blutstillung stärker in der Ersten Hilfe zu verankern.

In einer Pressemitteilung von Oktober 2019 forderte die DGG, Tourniquets regulär in Erste-Hilfe-Kursen zu vermitteln und breiter verfügbar zu machen. Das ist eine fachgesellschaftliche Forderung, keine allgemeine gesetzliche Ausstattungspflicht. [3]

Auch die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie stellte 2019 ein öffentlich zugängliches Blutstillungsset mit Tourniquet und Notfallverband vor. Ziel ist, Material zur Blutungskontrolle dort bereitzuhalten, wo Menschen zusammenkommen. [4]

Tourniquets im Betrieb: Was sagt die DGUV?

Unternehmen sollten ihre tatsächlichen Arbeitsbedingungen prüfen. Die DGUV nennt unter anderem Maschinen mit Einzugs- oder Schnittgefahr sowie Motorsägearbeiten in abgelegenen Gebieten. Lange Rettungszeiten können das Risiko erhöhen.

Ob ein Tourniquet zur betrieblichen Erste-Hilfe-Ausstattung gehört, sollte aus der Gefährdungsbeurteilung hervorgehen. Der Betriebsarzt sollte einbezogen werden. Wichtig sind außerdem Unterweisung und regelmäßige praktische Übungen. Material allein reicht nicht aus. Die verwendete Fachinformation stammt aus Mai 2017. [2]

Vorab sollte geklärt werden: Wo liegt das Material? Ist es schnell erreichbar, auch mit Arbeitshandschuhen? Wer setzt den Notruf ab, während ein Kollege die Blutung versorgt? Solche Abläufe lassen sich vor einem Unfall festlegen.

Hief 2 von unzähligen dokumentierte Einsätzen aus Deutschland

Köln: Ein Druckverband reichte nicht aus

Am 27. August 2023 verletzte sich ein Mann auf der Domtreppe durch eine Glasscherbe am Bein. Bundespolizisten alarmierten den Rettungsdienst und legten einen Druckverband an. Dieser war nach wenigen Sekunden durchblutet.

Daraufhin setzte ein Beamter ein Tourniquet ein und stoppte die starke Blutung. Der Verletzte kam ins Krankenhaus. Die Bundespolizei bewertete das schnelle Eingreifen als vermutlich lebensrettend. Der Fall zeigt, wie wichtig die Kontrolle der Blutstillung und ein konsequentes Weiterhandeln sind. [5]

Düsseldorf: Zwei Tourniquets nach einer Gewalttat

Am 24. August 2022 wurde ein 40-jähriger Mann in Düsseldorf-Friedrichstadt mit einer abgebrochenen Flasche schwer verletzt. Ein Zeuge leistete Erste Hilfe. Polizeikräfte versorgten den stark blutenden Mann mit zwei Tourniquets.

Der Verletzte musste notoperiert werden; zeitweise bestand Lebensgefahr. Laut Polizei erklärte der Notarzt, die Helfer hätten ihm wahrscheinlich das Leben gerettet. [6]

Die Berichte ersetzen keine wissenschaftliche Untersuchung, zeigen aber die Bedeutung früher Blutungskontrolle außerhalb einer Klinik.

Tourniquet anwenden: Worauf kommt es an?

Eigenschutz und ein früher Notruf über 112 gehören zur Versorgung. Wenn mehrere Helfer vor Ort sind, können Notruf und Blutstillung gleichzeitig erfolgen.

Ein Tourniquet muss die Blutung vollständig stoppen. Die Wirksamkeit sollte weiter kontrolliert und die Anlagezeit dokumentiert werden. Als Ersthelfer lässt du ein wirksames Tourniquet angelegt. Eigenständiges Lockern kann eine erneute Blutung auslösen. Eine Umstellung auf andere Maßnahmen gehört in professionelle Hände. [1, 4]

Dieser Überblick ersetzt keine praktische Einweisung. In einem Training kannst du die Handgriffe üben und lernen, wann direkte Kompression, Druckverband, Wound Packing oder ein Tourniquet geeignet sind.

Welches Tourniquet ist sinnvoll?

Empfehlenswert ist ein nachvollziehbar geprüftes Originalprodukt aus verlässlicher Quelle. Beachte den vorgesehenen Anwendungsbereich und trainiere mit dem Modell, das du tatsächlich mitführst. Entscheidend sind Eignung und sichere Handhabung.

Bei AirMeG wird das CAT Gen 7 auf der Produktseite als Empfehlung der Ausbilder geführt. Das ist unsere Produktempfehlung und keine Markenempfehlung der zitierten Fachgesellschaften. (bei Hunden empfehlen die Guidelines und die Ausbilder, der Airborne Medical Group das SWAT T. 

Führe dein Tourniquet so mit, dass es schnell erreichbar ist. Im Notfall hilft es wenig, wenn es erst aus dem Fahrzeug oder dem untersten Rucksackfach geholt werden muss.

Blutungen stoppen muss man üben

Im Notfall reicht es nicht, den Namen eines Ausrüstungsgegenstands zu kennen. Du musst eine kritische Blutung erkennen, die passende Maßnahme auswählen und ihre Wirkung prüfen.

In unseren Bleeding-Control-Kursen übst du direkten Druck, Druckverband, Wound Packing und den Einsatz von Tourniquets. Ziel ist, dass du dein Material sicher beherrschst und im entscheidenden Moment handeln kannst.

Jeder kann Leben retten. Bereite dich darauf vor.

Quellen

1. DGU/DGOU: S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung, AWMF 187-023, Version 4.1, Überarbeitung 12/2022; insbesondere Kapitel 1.1 „Stop the bleeding“, Empfehlungen 1.1.5 und 1.1.9. Volltext als PDF.
2. DGUV: Besondere Maßnahmen zur Blutstillung im Rahmen der betrieblichen Ersten Hilfe, Stand Mai 2017. Fachinformation als PDF.
3. Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin: Blutung abbinden kann Leben retten – Abbinden sollte in Erste-Hilfe-Kursen gelehrt werden, Pressemitteilung zur Jahrestagung, Oktober 2019. Pressemitteilung als PDF.
4. Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie: Blutungen stoppen: Neues Erste-Hilfe-System macht Laien zu Lebensrettern, 11.07.2019. Beitrag der DGU.
5. Bundespolizeidirektion Sankt Augustin: Tourniquet rettet Leben – Bundespolizei leistet Erste Hilfe, 28.08.2023, Einsatz vom 27.08.2023. Originalmeldung auf Presseportal.
6. Polizei Düsseldorf: Friedrichstadt – Schweres Körperverletzungsdelikt – Beamte setzen erfolgreich Tourniquet ein, 25.08.2022, Einsatz vom 24.08.2022. Originalmeldung auf Presseportal.

Author: Marc Zierden